Dienstag, 16. Dezember 2014

Ziele im Leben

Liebe Leser,

in diesen Artikel möchte ich ein wenig die Gedanken aus dem "The Binding of Isaac: Rebirth Part 20" zusammenfassen. Wer nicht so gerne liest kann sich das ganze auch gerne im Video anschauen. Das Video findet ihr am Ende dieses Artikels verlinkt. Meine Gedanken sind inspiriert von dem Psychotherapeuten Dr. Nathaniel Branden und seinem Buch: "The Psychology of Self-esteem" (http://amzn.to/1IXfNGh). Ein sehr guter Freund hat mir das Buch vor einigen Wochen empfohlen und obwohl ich erst gut bei der Mitte bin, konnte ich schon unglaublich interessante Gedanken und Erkenntnisse daraus ziehen. Ich würde es auf jeden Fall empfehlen, wenn man ein wenig mehr verstehen möchte, was im Kopf so alles passiert. Nun aber zum Thema.



In den letzten Wochen mache ich mir vermehrt Gedanken um die Dinge, die ich momentan mache und über die Zukunft. Vor allem aber ist es die Zukunft und die mit ihr verbundenen Fragen, die mich zum nachdenken bringen und mir teilweise auch ein wenig Sorgen bereiten. Was für einen Beruf möchte ich später einmal ausüben? Wie möchte ich mein Leben leben? Was ist mir wichtig? Dies sind grundlegende Fragen über die ich mir schon lange Gedanken mache, aber nie schienen sie mir so akut vorzukommen, wie jetzt. Deswegen habe ich angefangen zu verstehen, warum mich diese Fragen jetzt überhaupt so stark beschäftigen.

Um das zu erklären muss ich ein wenig weiter ausholen. ungefähr ein halbes Jahr bevor ich mein Abitur gemacht habe, bin ich immer stärker mit Japan und der japanischen Kultur in Kontakt gekommen. Anfang 2013 bin ich dann auf eine japanische Künstlerin gestoßen und habe angefangen Japanisch zu lernen, da ich verstehen wollte, was sie sagt. Wen interessiert wie genau ich dazu gekommen bin, Japanisch zu lernen, kann einfach mal in den Blogartikeln, in dem ich darüber geschrieben habe, reinschauen. Zu dieser Zeit war ich schon seit Jahren davon überzeugt, dass ich Physik studieren werde und am Ende einmal Forscher werde.

Als dann nach dem Abi die Bewerbung für die Universität startete, habe ich gemerkt, dass ich Japanisch unbedingt weiterlernen möchte und das möglichst schnell. So entschied ich mich kurzer Hand zusätzlich zu Physik noch einen zweiten Studiengang zu studieren und zwar Modernes Japan. Aber auch zu dieser Zeit hatte ich noch das Ideal eines Forschers von mir im Kopf, nur eben, dass dieses Idealbild nun auch Japanisch kann.

Die ersten Wochen des universitären Lebens strichen ins Land und ich wurde immer unzufriedener. In mir tat sich ein Konflikt zwischen der Physik und der Japanologie auf. Ich habe gemerkt, dass mir Physik zwar Spaß macht, ich dafür aber nicht wirklich brenne und nicht die Motivation finde jeden Tag aufs neue die Aufgaben, die oft nicht einfach waren, zu lösen. Ich wollte mehr Japanisch lernen und meine Sprachkenntnisse verbessern. Nach langem Überlegen und vielen Gesprächen mit meiner Mutter und meinem besten Freund entschied ich mich dann schließlich dazu Physik links liegen zu lassen und ich vollkommen auf den Studiengang Modernes Japan zu konzentrieren.

Zu der Zeit dieser Entscheidung entschied ich auch mich für ein Auslandsjahr zu bewerben und alles dafür zu geben, dieses auch machen zu können. Um sich bewerben zu können, war ein Notenschnitt von ingesamt 2,5 in drei speziellen Klausuren nötig. Die ersten beiden dieser Klausuren (Sprachkurs und MRG) warteten bereits im Februar 2014 auf mich. Unter MRG könnt ihr euch eine Klausur vorstellen, die aus Geschichts-, Kultur- und Gesellschaftsfragen besteht. Das besondere an dieser Klausur ist, dass bereits im Voraus alle Fragen, die in der Klausur drankommen können, bekannt sind. Insgesamt gibt es 44 Fragen.

Das hört sich zuerst einmal nicht schwer an, aber im Prinzip ist es für mich eine riesen Qual gewesen. Ich habe Anfang Januar angefangen alle diese Fragen selbst zu beantworten, wobei eine Antwort ungefähr eine komplette Handschriftliche Seite in Anspruch nahm. Zudem musste ich eine Menge lesen, um möglichst perfekte Antworten erstellen zu können und zusätzlich gab es noch an die 60 Begriffe, zu denen man Stichpunkte schreiben musste. Wen interessiert wie meine Aufzeichnungen aussahen kann mal in dieses Video reinschauen.

In der Klausur selbst mussten 9 Fragen und 6 Begriffe in 90 Minuten beantwortet werden. Wenn man sich das überlegt dann hat man weniger als 10 Minuten für die Beantwortung einer Frage Zeit und muss also extrem schnell schreiben. Natürlich gab es Antwortkataloge, die durch die Uni gegeistert sind, aber ob diese Antwort auch wirklich eine volle Punktzahl geben oder nicht, wusste natürlich keiner. Da mir dies zu unsicher war, habe ich also meine eigenen Antworten erstellt und diese auswendig gelernt. Da ich gedacht habe, dass ich Zeitprobleme habe, wenn ich nachdenken muss, während der Klausur, habe ich sie wirklich so auswendig gelernt, wie ein Schauspieler seinen Text für eine Rolle auswendig lernen würde.

Das ganze hat mich rund einen Monat gekostet und zwar nur das Auswendig lernen. Einen weiteren Monat vorher habe ich die Fragen beantwortet. Es war die arbeitsaufwendigste Klausur in meinem Leben und auch wirklich die härteste, weil ich es hasse Dinge einfach nur stumpf auswendig zu lernen. In einem Audiotagebuch, habe ich immer wieder davon erzählt und aus diesen Audiologs kann, man denke ich auch ganz gut raushören, wie sehr mich das ganze belastet hat. Wen es interessiert kann mal reinhören.

Warum aber habe ich euch das ganze mit der Klausur jetzt so ausführlich erzählt? Es zeigt, wie sehr von dem Gedanken eines Auslandsstudiums begeistert war und vor allem auch wie sehr mich die Sprache und das Land begeistern, sodass ich auch die härtesten Anstrengungen in Kauf genommen habe. Ein sehr guter Freund hat mich hinterher gefragt, wie ich es geschafft hätte die Motivation für das Lernen über zwei Monate hinweg aufrecht zu erhalten. Die Antwort ist, dass es der größere Zusammen war, in den ich dieses Lernen eingeordnet habe. Ich wusste, dass ich diese Anstrengungen in Kauf nehmen muss, um ein größeres Ziel erreichen zu können und dieses Ziel hat mich angetrieben.

Das Bild von mir als Physiker war also vollständig verschwunden und das einzige, was in meinem Fokus stand, war das Auslandsjahr und die Anforderungen für die Bewerbung. Nachdem ich die MRG und die erste Sprachklausur mit jeweils 1,0 bestanden hatte, habe ich mich dann daran gemacht das Forschungsprojekt, was für die Bewerbung notwendig war, zu erstellen. Dieses Forschungsprojekt war der nächste Große Gegner, dem ich gegenüberstand. Es hat mich ein gutes halbes Jahr gekostet alle wichtigen Bücher und Texte zu lesen, sowie dann letztendlich das Projekt auf knapp 3 Seiten zu beschreiben. Da ich vorher noch nie so ein Forschungsprojekt beschrieben hatte und mit der Methodik überhaupt nicht vertraut war, war es echt eine ziemlich schwierige Sache.

Während ich mich um mein Projekt gekümmert habe, konnte ich auch die zweite Sprachklausur und somit die letzte der drei relevanten Klausuren mit einer 1,0 bestehen. Ich hatte also nicht den geforderten Schnitt von 2,5 sondern den bestmöglichsten von 1,0. Das hat mich unglaublich beruhigt, weil in meinem Kopf nun nur noch das Projekt war und ich mir sicher sein konnte, dass man meine Noten nicht angreifen kann. Also steckte ich alle Kraft in das Projekt.

Letzten Montag hatte ich nun mein Bewerbungsgespräch, bei dem ich das Projekt vorstellen musste und um ehrlich zu sein, weiß ich nicht wirklich wie es lief. Ich kann es überhaupt nicht einschätzen. Auf jeden Fall sollen die Ergebnisse, wer die Austauschplätze bekommt noch diese Woche kommen und ich bin schon wirklich sehr gespannt.

Nun kommen wir aber zum Punkt und letztendlich auch zu der Beantwortung, der Frage, warum mich Fragen wie "Was möchte ich später mal machen?" momentan so beschäftigen. Seitdem ich die finale Version meines Forschungsprojektes auf dem PC liegen hatte und im Grunde nur noch das Gespräch wartete, wurde mir klar, dass ich mein Ziel so gut wie erreicht habe. Ich weiß zwar noch nicht, ob ich einen Austauschplatz bekomme, aber ich kann nun auch nichts mehr machen, um die Entscheidung zu beeinflussen. Alle Klausuren sind geschrieben, die Bewerbung abgegeben und das Gespräch liegt auch hinter mir.

Was ist aber nun mein Ziel? Worauf kann ich nun hinarbeiten? Genau das ist mein momentanes Problem. Ich weiß es einfach nicht und kann vor allem auch nicht wirklich nach etwas suchen, da ich ja nicht weiß, ob ich nächstes Jahr um diese Zeit noch hier bin oder nicht. Es ist für mich unmöglich jetzt gerade etwas zu planen, was über den Zeitraum eines halben Jahres hinausgeht und da ich immer gerne längerfristig plane, hat mich das wohl die letzten Wochen ziemlich fertig gemacht. Wenn ich die Antwort jetzt die Tage bekommen sollte, wird sich das wohl hoffentlich wieder ändern, aber es ist für mich sehr interessant gewesen zu erfahren, dass ein Ziel so wichtig für mich ist.

Bisher hat sich die Frage mit dem Ziel nie gestellt, da ich immer eines hatte, aber da ich jetzt kein konkretes habe, außer nach Japan zu fliegen bzw. Japanisch zu lernen, stellt sich mir eben die Frage, was als nächstes kommt und vor allem auch, da ich jetzt vollkommen frei in meinem Leben bin (Keine Schulpflicht usw. mehr), wie ich mein Leben gestalten möchte. Wo möchte ich leben? Wie möchte ich leben? Dies sind fragen, die mich sehr beschäftigen und ich habe das Gefühl, dass ich mir wieder ein Ziel suchen muss, welches ich anstreben kann und mir vor allem auch eine Art Wertesystem bauen muss, auf welchem ich meine Existenz gründen kann.

Ein Wertesystem, was in sich schlüssig ist, zusammen mit einer Vorstellung von einem Selbst und einer Zukunft, ist glaube ich das beste, was man machen kann und hält einen auch gesund und mental stabil. Durch das Buch vom guten  Herrn Branden sind mir all die oben beschriebenen Dinge bewusst geworden und vor allem eben auch, dass ich mir wieder ein Ziel suchen muss. Die Erkenntnis mit dem Ziel kam mir gestern beim lesen und seitdem bin ich wieder sehr positiv gestimmt und vertraue wohl auch mir selbst wieder ein wenig mehr. Es fühlt sich an als hätte ich herausgefunden, wie ein großer Teil meines Kopfes funktioniert.

Das ist im Übrigen auch eine sehr interessante Sache, wie ich finde. Wir alle haben zwar einen Kopf und ein Bewusstsein, aber nur wenige wissen wohl, wie sie damit richtig umgehen und das Bewusstsein richtig benutzen können bzw. es so benutzen können, dass sie ein glückliches Leben führen können. Das Lebensglück hängt maßgeblich vom eigenen Kopf und den Sichtweisen, die man hat ab, denke ich. Man muss lernen zu erkennen, was einen beschäftigt und woher die schlechten Gefühle, die man manchmal hat, kommen und eben seine Werte und Sichtweise ändern, um auch die Gefühle zu ändern.

Auch wenn ich nun noch kein konkretes Ziel vor Augen habe, so weiß ich, dass ich eines suchen kann, nachdem ich die Antwort mit dem Austauschplatz habe und das ich eines finden werde, was mich dann antreibt. Diesmal möchte ich auch ein Ziel finden, was etwas allgemeiner ist. Ich möchte etwas schaffen, was mich tagtäglich motiviert und Teil von mir ist. Ich möchte ein Wertesystem für mich entwickeln, was perfekt auf meine Fähigkeiten und meine Interessen angepasst ist. Die Vorstellung solch etwas zu schaffen fasziniert mich sehr und an sich selbst zu arbeiten, begeistert mich auch ziemlich. Ich möchte besser verstehen, wie ich selbst und die Menschen um mich herum bzw. die Welt um mich herum funktioniert.

In seinem Buch schreibt Herr Banden an einer Stelle, dass es wichtig sei sich nicht damit zufrieden zu geben etwas nicht wissen zu können, sondern das man immer versuchen soll alles zu verstehen und das dies dafür sorgen würde, dass man eine stabile Psyche hätte. Ich habe zwar noch nicht ganz verstanden, wie er das meint, aber womit er definitiv recht hat, ist, dass es das Leben viel interessanter macht, wenn man offen für die verschiedensten Dinge ist. So bin ich eigentlich immer an allem interessiert und liebe es einfach durch die Welt zu laufen und sich inspirieren zu lassen und zu versuchen Dinge zu verstehen. Dieses Interesse möchte ich mir auf jeden Fall bewahren und versuchen es in meine spätere Arbeit, wie auch immer die aussehen mag, mit einzuarbeiten.

Der Artikel ist mal wieder ein wenig länger geworden, aber ich hoffe, dass ihr etwas mitnehmen konntet und ich euch ein wenig inspirieren konnte. Falls ihr Lust habt, könnt ihr ja auch nochmal im Video vorbeischauen. Dort erkläre ich ab ungefähr Minute 20 auch ein wenig was zu dem Thema, nur dass alles viel unstrukturierter ist, als hier in dem Artikel. Vielen Dank fürs Lesen und über Kommentare und Gedanken würde ich mich sehr freuen!


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